Festival der starken Bilder

Das Sehen hat beim Heimspiel eine hervorgehobene Bedeutung. „Wir haben Filme ausgewählt, die in erster Linie in Bildern erzählen“, beschreibt Festivalchef Sascha Keilholz das Programm. Gestern wurde das besonders deutlich, denn der Kurzfilm Heimspiel und das hochkarätig besetzte Drama Transit gehen visuell eigene Wege.

Kaum zum ersten Mal der Filmtitel im Bild, spritzt auch schon das erste Blut und bleibt an den weißen Großbuchstaben haften: Heimspiel. Wie der bereits auf dem Festival gezeigte 66 / 67 – Fairplay war gestern ist auch die Handlung von Bogdana Vera Lorenz’ Kurzfilm im Hooliganmilieu verortet. Während das bei 66 / 67 allerdings nicht viel mehr als die Kulisse für einen klassischen Erzählfilm ist, steht die Gewalt bei Heimspiel eindeutig im Vordergrund.

Es geht um einen Ethik-Lehrer und Freizeit-Hooligan und seinen ethisch-moralischen Konflikt zwischen Hobby und Beruf. Dabei reflektiert der Film sein Thema vor allem in Bildern. Stark ästhetisierte Gewalt in der einen, ein brutzelndes Stück Fleisch beim Grillfest im Vorgarten in der nächsten Szene. Der Film stellt unkonventionelle Bezüge her und lässt so beim Zuschauer ganz eigene Assoziationen zu. Immer wieder wird die Hooligan-Szene dem spießigen bürgerlichen Milieu gegenüber gestellt. „Gewalt ist etwas Archaisches“, sagt Produzent Max Permentier über seinen Film. „Auf der heutigen Stufe unserer Zivilisation unterdrücken wir das meistens. Ganz gelingt das aber offenbar nicht.“

Auch der zweite Film des Abends lässt mehr die Bilder als seine Protagonisten sprechen. Jede Sequenz wird zunächst von mehreren ausgiebigen Einstellungen etabliert. In Transit nimmt sich Filmemacher Philip Leinemann Zeit für seine Schauplätze. Leere, weite Räume aus Asphalt und Beton begleiten die Geschichte über das Leben auf und abseits der Autobahn. Keine Trucker Romantik, sondern penetrant blinkende Spielautomaten und das künstliche Licht der Autobahnraststätten bilden in Transit den ästhetischen Rahmen.

Den Abschluss macht an diesem Abend Philip Kochs Picco, ein Film über soziale Strukturen in deutschen Jugendgefängnissen. Mit seinem Film war Koch (Foto) bereits auf internationalen Festivals unterwegs: „Die Wahrnehmung des Films ist zum Teil sehr unterschiedlich. In Sao Paolo haben sie die Zustände in deutschen Gefängnissen eher belächelt. Da sei es ja wie im Hotel.“

Heute Abend geht das Heimspiel weiter. Zwei Filme aus der Dominik Graf Retrospektive werden zu sehen sein: Kalter Frühling um 18 Uhr und Die Katze um 20:30 Uhr. Um 18:30 Uhr wird zudem das Kinodrama Eines Tages gezeigt. Um 21 Uhr beschließt Maximilian Erlenweins Schwerkraft den Festivaltag.

Fotos: Veronika Achatz  /  Text: Felix Frieler