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DIE KINDER DER TOTEN

Kelly Cooper & Pavol Liska | 2019 | AUT | 92′


Ed Wood in den steirischen Alpen: Elfriede Jelineks Opus magnum findet kongeniale Komplizin in lustvoll zelebriertem Horrortrash. 

Die Geister der Toten kommen. Und sie grüßen ihre Kinder. Ohne Elfriede Jelineks gleichnamige Romangroteske je gelesen zu haben, inszenierten die beiden Performance- und Theaterkünstler*innen Kelly Copper und Pavol Liska ein Untoten-Spektakel, ein quietschendes, buntes Horrorkarussell, das es in sich hat. Gedreht in körnigem Super-8 greifen die Gräuel und Verbrechen der NS-Zeit nach dem öffentlichen Raum der heutigen Steiermark. Mit Hunderten Laiendarsteller*innen entstand an Originalschauplätzen des Romans eine billige, bizarre und oft herrlich geschmacklose Provinzposse, der es an bluthungrigen Untoten nicht mangelt: Neben den alten Kaiser reihen sich Hitler, Mozart oder der verunglückte Formel-1-Rennfahrer Jochen Rindt. Und während der noch leichenstarre Nazizombie schon längst vor der Tür tanzt, eine wilde Horde kalkweiß-geschminkter Untoter bereits feierlich durchs Dorf zieht, vergnügen sich im örtlichen Wirtshaus die rotkopferten Palatschinkengesichter freilich noch mit Bier und Schnaps – die wohl dumpfeste Form der Vergangenheitsbewältigung.

Unterlegt mit einem furiosen Score des Komponisten Wolfgang Mitterer finden in die DIE KINDER DER TOTEN Berg-/Heimatfilm, Horrorkino, Stummfilm, Filmgroteske und Komödie wie selbstverständlich in der Dystopie zusammen: eine spaßige Metapher auf das Verdrängen, ein meisterhafter Akt der Rebellion, der angesichts des gegenwärtigen gesellschaftlichen Rechtsruckes besonders aktuell ist.

Kelly Copper und Pavol Liska

Für Kelly Copper und Pavol Liska vom Nature Theater of Oklahoma existieren keine Grenzen zwischen Theater, Performance, Kunst und Film. Je komplizierter die Ausgangssituation, desto besser die Voraussetzungen für das Regie-Duo. Ihre bizarre Romanadaption DIE KINDER DER TOTEN wurde mit dem FIPRESCI-Kritiker*innenpreis ausgezeichnet.

Pressestimmen

So ein Film ist in Österreich noch nie gedreht worden.
ZEIT.DE

Umwandlung von Jelineks kraftvoller, deftiger Sprache in wogende, wuchtige Bilder, die ohne Gesprochenes auskommen, aber einen ähnlichen Eindruck wie die Worte der Dichterin hinterlassen.
VIENNA.AT

Nazis, Nekrophilie, Inzest: Ein amerikanisches Regie-Duo adaptiert einen Jelinek-Roman, ohne ihn je gelesen zu haben. Das Ergebnis ist blödsinnig, ekelhaft und geschmacklos – und ein Heidenspaß.
CRITIC.DE

Screening

So., 22.11. 16:00 UhrOstentorKino-Tickets
19.11. ‐ 23.11.0 ‐ 24 UhrInternetOnline-Tickets