Die internationale Hauptsektion der diesjährigen Festivalausgabe ist eine Einladung, die sogenannte Wirklichkeit und ihre Machtstrukturen für einen Moment nicht als Naturgesetz zu begreifen, sondern als Material, das sich zerlegen, verdrehen und neu montieren lässt. So beißt sich in I LOVE PARIS eine Rap-Newcomerin mit Vampirzähnen vorbei an verstaubten Hierarchien ins Rampenlicht der Musikindustrie und in der japanischen Horrorsatire MAG MAG zerstückelt ein Rachegeist uralte patriarchale Mythen. In HEX bläst eine feministische Black-Metal-Band aus Norwegen ohne instrumentale Vorkenntnisse, dafür mit viel Corpse Paint und okkulten Ritualen zum Angriff gegen den männerdominierten Metal-Adel.



Ultimative Fantasien können uns aber auch warm ums Herz machen: In Jason Firstmans unwahrscheinlicher Feelgood-Dramedy CLUB KID entwickelt ein New Yorker Partykönig ungeahnte Vatergefühle. In der Doku ADAM’S APPLE begegnet uns eine gelebte Utopie, wenn wir eine Familie über zwei Jahrzehnte bei der Transition ihres Kindes begleiten und wieder neue Hoffnung für die gegenwärtigen USA schöpfen. Auch unser offizieller Eröffnungsfilm TANGLES erzählt in handgezeichneten Bildern mit viel Humor und Gefühl vom Festhalten und Loslassen in familiären Ausnahmezuständen.



Wie immer bei Transit erwarten euch auch dieses Jahr wieder Beiträge, die Mut zur ungewöhnlichen Form und Ästhetik beweisen. Wir freuen uns auf Hauptdarstellerin und Drehbuchautorin Emma Paetz, die mit ihrem herrlich unaufgeräumten Film-im-Film-Projekt WORRY TIME persönlich zu uns nach Regensburg kommen wird! Im deutschen Beitrag OBJET A von Ann Oren werden wir Zeug*innen eines bewusstseinserweiternden Erotik-Experiments zwischen moosbehaarten Achseln und Psilocybin. In BARRIO TRISTE von Bad Bunny-Collaborateur Stillz, begeben wir uns zum Sound von Arca auf eine hypnotische Nachtwanderung durch die Vororte von Medellín. Deutschlandpremiere feiert bei uns THE DAYS OFF, das Debüt der argentinischen Regisseurin Lucila Mariani. Darin flüchten sich Jugendliche in die ätherischen Parallelwelten des frühen Internets und erschaffen sich durch ›Shifting‹ eine neue ›Desired Reality‹. Und nicht zum ersten Mal bei Transit: Bertrand Mandico, der uns zusammen mit Marion Cotillard, ROMA ELASTICA und einem pulsierenden Kaleidoskop europäischer Filmgeschichte auf die Probe stellt.





