Heimspiel 10 meets Berlinale

Auch dieses Jahr waren wir auf der inzwischen 68. Berlinale unterwegs, haben eifrig Filme gesichtet und dabei schon einige mögliche Kandidaten für die Jubiläumsausgabe von Heimspiel entdeckt.
Wer heute Abend wie wir die Preisverleihung der begehrten Bären miterleben möchte, der kann dies entweder im TV (19:00 Uhr auf 3sat) oder im Berlinale-Live-Stream verfolgen.

https://www.berlinale.de/de/im_fokus/live-streaming/index.html

Feedback gewünscht

Kaum ist No9 vorbei, schon richtet sich unser Blick auf die Jubiläumsausgabe HS10!
Ein studentisches Team der Karlshochschule in Karlsruhe hat Heimspiel-Filmfestival dieses Jahr besucht und eine kleine Umfrage entwickelt, die Euch die Möglichkeit zu konkretem Feedback geben soll.
Wir würden uns freuen, wenn ihr Euch ganz kurz Zeit nehmt und unter folgendem Link an der Umfrage teilnehmt:

https://shakedag.typeform.com/to/p16HLb

 

Deutscher Psychothriller Die Vierhändige wird Publikumspreisträger

Gestern konnten wir nach dem Screening von Die Vierhändige gleich vier Gäste zur Diskussions- und Fragerunde beim Heimspiel begrüßen: Regisseur und Drehbuchautor Oliver Kienle, eine der zwei Hauptdarstellerinnen Frida-Lovisa Hamann, Nebendarsteller Christoph Letkowski und Produzent Markus Reinecke. Umso größer war die Freude unseren Gästen gleich die gute Nachricht überbringen zu können – Die Vierhändige ist unser diesjähriger Publikumspreisträger! Ihr habt heute alle die Chance den deutschen Psychothriller um 20.30 Uhr im Akademiesalon zu sehen.

Der Genrefilm Die Vierhändige ist doch etwas Besonderes in der deutschen Filmlandschaft, Regisseur Oliver Kienle sieht den Mangel an einer Genretradition als Grund: „In Deutschland gibt es eine Angst vor physischem Kino. Es wird lieber über Themen auf intellektueller Ebene gesprochen, als dass man sich emotional berühren lässt. Da ist eine Glaswand, es gibt kein Vertrauen ins Genrekino und auch keine Tradition mehr, obwohl vor dem zweiten Weltkrieg in Deutschland die Genrefilme quasi erfunden wurden.“ Auch das Thema des Films ist selten in einer solch packenden Art inszeniert worden. Im Fokus steht das Thema Trauer und die Frage was Trauer mit einem Menschen macht. Eine Trauer, die die Seele zerreißt und sich die Trauernde nicht für eine Seite entscheiden kann. Die Zerrissenheit wird bereits in der Ausgestaltung der beiden Schwestern Sophie und Jessica, die im Zentrum der Handlung stehen deutlich. Die beiden Schwestern sind ganz gegensätzliche Charaktere, Kienle beschreibt sie als Ying und Yang: Sophie als zarte Blonde, mit heller Kleidung, die versucht sich vom traumatischen Kindheitserlebnis zu lösen und ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu führen. Ihr gegenüber die ältere Schwester Jessica, die eine ausgeprägte Besessenheit entwickelt hat ihre Schwester zu beschützen und mit ihrem düsteren Äußeren, einen verstörten und gewaltbereiten Eindruck hinterlässt. Frida-Lovisa Hamann, die Sophie spielt, tat sich anfangs schwer mit der Vorbereitung auf ihre Rolle. „Irgendwann denkst du, du hast es verstanden, hast du aber nicht. Man verliert die Außenansicht und ist nur noch in der Figur. Die Verwirrung war aber sehr Kraft gebend für den Dreh.“ Hamann kommt vom Theater, für sie war Die Vierhändige ihre erste Kinofilmrolle.

Den Dreh beschreiben alle Gäste als sehr anstrengend, eine Szene ist dem Regisseur besonders im Kopf geblieben: „Bei der einen Plansequenz ging wirklich alles schief – wir hatten -10° und der Boden war komplett eingefroren, weshalb ein Stuntman und nicht Detlef Bothe selbst über die harte Erde gelaufen ist. Der Stuntman fiel hin und riss sich den kompletten Rücken auf, weil die Unebenheiten durch den Frost richtig scharf und spitz waren“, auch Produzent Markus Reinecke gibt mit einem Schmunzeln noch ein Statement zur Szene ab: „Den Weg, den Detlef laufen sollte, hab ich dreimal mit frischer Erde aufschütten lassen und mehrfach abgenommen, aber dann lief ja eh alles anders.“ Trotz der Strapazen ist Die Vierhändige für alle vier Gäste eine Herzensangelegenheit, Christoph Letkowski fand das Drehbuch von Beginn an außergewöhnlich und ignorierte auch die Anmerkung „das ist wahrscheinlich eh nur so ein Studentenfilm“. Tatsächlich konnte Letkowski nach eigener Aussage nicht mehr aufhören zu lesen und hatte richtig Lust, wegen der Ambitionen des Regisseurs, Teil des Films zu sein. Dass die Finanzierung des ambitionierten Projektes kein leichter Weg war verdeutlicht Reinecke: „Deutschland ist eigentlich kein Land in dem man Filme macht, die nicht einordbar sind. Wir waren bei vielen, die begeistert waren vom Drehbuch, aber es ihnen einfach nicht Mainstream genug war. Viele Türen wurden geschlossen, nicht das einfachste Projekt.“

Die Vierhändige glänzt mit beeindruckender Kameraarbeit, einer mitreißenden Story und strahlt viel von der Begeisterung der Beteiligten aus, ohne bemüht zu wirken. Manchmal bedrückend genau ist der Psychothriller nicht realistisch, aber wahrhaftig inszeniert. Lasst euch diesen faszinierenden Film nicht entgehen!

Heimspiel in großen Lettern

Hell leuchtend wird jeder Besucher des Ostentorkinos von der Leuchtreklame begrüßt, die ankündigt, welche Filme laufen. Auch unser Heimspiel-Filmfestival wird seit Mittwoch in großen schwarzen Lettern angepriesen. Leuchtreklamen solcher Art sind inzwischen selten geworden, denn das analoge Filmankündigen wird immer mehr abgelöst von großen digitalen Anzeigen. Das Bestücken der Reklame ist zwar mit einem erhöhten Aufwand verbunden, doch gibt es etwas schöneres, als schon vor dem Kino die besondere Atmosphäre schnuppern zu können? Die Lettern lagern in einem der Hinterzimmer des Kinos, wie Hans Geldhäuser vom Ostentorkino erläutert. Langsam lichtet sich aber der Vorrat an Lettern, denn solche werden nicht mehr produziert und es geht doch hin und wieder eine kaputt. Um die Reklame bestücken zu können, geht es hoch hinaus: Mit den Lettern unterm Arm wird die Leiter hochgeklettert. Das nächste Mal wird der Schriftzug Mittwochnacht getauscht, was mit dem Ende unserer Festivalwoche zusammenfällt. Schade, die Zeit verging mal wieder viel zu schnell!

Publikumspreisträger – Tippspiel aus dem Team

Wir sind nun Mitten im fünften Heimspiel-Tag: 38 Filme flimmerten schon über die Leinwände der Kinos, 24 Gäste waren zu Besuch in Regensburg, alle 5.000 Programmhefte sind verteilt, insgesamt 600 Plakate wurden in der ganzen Stadt angebracht und unzählige intensive Stunden hat das Heimspiel-Team in den letzten Tagen in den Kinos verbracht, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Doch auch im Team kommt der Besuch der Filme nicht zu kurz, zwischen zwei Kinodiensten, Abrechnung und Moderation ist immer mal wieder Zeit für ein Screening.

Alle sind gespannt, welcher Film dieses Jahr Publikumspreisträger wird. Einige haben bereits ihre Favoriten gefunden. Patrick, der sich selbst als den Motivator der Gruppe beschreibt, findet besonders Die Hölle – Inferno fantastisch, gerade der starke Frauencharakter hat es ihm angetan. Neben der technischen Umsetzung ist es vor allem eins, was ihn begeistert: „Der Film mutet wie ein Hollywood-Streifen an und das meine ich durch und durch positiv, aber dann ist Die Hölle –  Inferno einfach ein österreichischer Film.“ Einen anderen Tipp gibt Heimspiel-Leiter Sascha Keilholz ab, für ihn ist es Western, der das Rennen macht: „Western ist präzise und genau in dem was er zeigt. Jeder Schnitt und jede Einstellung sind notwendig. Der Film atmet eine große Freiheit, löst sich von vielen Konventionen und gibt den Figuren viel Platz, sich zu entfalten.“ Für Laura aus der Akquise ist es klar, welcher Film am Mittwoch um 20.30 Uhr im Akademiesalon gezeigt wird: „Zwischen den Jahren natürlich, Lars Henning ist so ein sympathischer Mensch und die Geschichte hat mich von Anfang an gepackt!“ Es bleibt auf jeden Fall spannend, denn heute wird noch bei Tiger Girl und Drei Zinnen abgestimmt. Morgen könnt ihr noch für Zwei im falschen Film, Die Vierhändige und Licht eure Stimme abgeben.

 

Lars Henning plaudert im Wintergarten

Bei Heimspiel 9 haben wir wieder viele Gäste für euch nach Regensburg eingeladen, wie den Regisseur Lars Henning. Nach dem Screening seines Kinofilmdebüts Zwischen den Jahren haben wir ihn auf die Bühne des Wintergartens gebeten, um eure und unsere Fragen zu beantworten. Von Beginn an war klar, der Regisseur hat unglaublich viel Lust über seinen Film zu sprechen, so war die Stimmung im Kinosaal heiter, es wurde viel gemeinsam gelacht. Moderiert wurde die Q&A von Kristina aus dem Heimspiel-Team, die auch einige Fragen an unseren Gast hatte. Mit Zwischen den Jahren hat Henning seinen ersten Kinofilm abgeliefert, bei dem er nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb. Die Umstellung vom Kurz- zum Langfilm entpuppte sich als weniger anstrengend, als gedacht. Der gebürtige Hamburger und St. Pauli-Fan betonte, dass bei größeren Produktionen auch die Crew größer sei und ihm so mehr abgenommen wurde. Der Bammel vor Filmlänge und Länge der Drehzeit legte sich aber schnell, sodass dem Regisseur nicht die Puste ausging. Henning, Jahrgang 1976, begann seine Karriere als Filmemacher tatsächlich erst spät, wie er selbst betont. 10 Jahre lang hat er bei diversen Filmproduktionen mitgearbeitet, konnte sich aber nie völlig lösen, um eigene größere Projekte zu starten, da ihm die Arbeit einfach zu viel Spaß machte. Umso schöner, dass er nun auch weiterhin plant, Filme zu machen, wie er am Ende des Gesprächs verrät: „Ich würde mich freuen, bald wieder in meinem kleinen und sehr kalten Büro mit Kohleofen zu sitzen, um wieder am nächsten Film zu arbeiten.“ Aktuell steckt er in der Endproduktion eines Tatorts seine ganze Energie, aber wir können in Zukunft auf mehr von ihm hoffen.

Viele Fragen aus dem Publikum drehten sich um die Charaktere im Film, besonders die Hauptfigur Becker faszinierte die Besucher im Wintergarten. Gespielt von Peter Kurth ist die Figur des Beckers die Weiterentwicklung eines Supermarkt-Sicherheitsmannes, den Henning in einem seiner Kurzfilme inszenierte. Zur Entstehung dieser Figur gib Henning eine kleine Anekdote zum Besten: „Ich komm ja aus Hamburg, genauer habe ich lange auf St. Pauli gewohnt. Damals gab es dort einen der ersten 24-Stunden-Supermärkte. Das war schon so halb was Besonderes, auch die Leute aus anderen Vierteln sind dort einkaufen gegangen. Das Prinzip eines solchen Supermarktes ist ja schon lustig, wer geht denn da hin? Studenten denen um vier Uhr nachts noch die H-Milch ausgeht! Auf jeden Fall gab es dort einen Sicherheitsmann, ich dachte mir, der hat den langweiligsten Beruf auf der Welt. Der wirkte auf mich wie ein Stopp-Schild. Kennen sie noch diese Aufsteller von Polizisten, die Autofahrer zum langsamer Fahren animieren sollen? So wirkte der auf mich. Ich wollte diesen Sicherheitsmann in eine moralische Zwickmühle manövrieren und begann an Security zu arbeiten. Aber irgendwie wollte ich dann zu der Figur noch eine Hintergrundgesichte schaffen.“ Die Besetzung des Beckers mit Peter Kurth entwickelte die Figur immer weiter. Kurth bringt bereits viel mit für die Figur, wie Henning betont, er hat eine gewisse Ausstrahlung, die perfekt passte. Henning, der Kurth von einem anderen Projekt bereits kannte, hatte „einfach Lust was mit Peter zu machen“. Um den puren Charakter des Beckers zu unterstreichen, wurden nachträglich aus dem Drehbuch noch Texte gestrichen, sodass Becker nur das Nötigste äußert. Weder Kurth selbst, noch die Figur Becker sind Männer großer Worte und so ist auch Zwischen den Jahren ein Film der mehr über Mimik und Gestik erzählt als über die Sprache.

Neben der Besetzung der Hauptrolle mit Peter Kurth, standen noch viele weitere Nebenrollen aus. Henning plaudert aus dem Nähkästchen, was für ihn der skurrilste Besetzungsvorschlag war: „Dahlmann sollte recht prominent besetzt werden von Seiten der Förderung, da kamen schon einige Vorschläge, die einfach nicht gepasst haben. Am besten und skurrilsten fand ich ja Herbert Grönemeyer. Also klar, der ist ja Schauspieler, aber die Körperlichkeiten von Kurth und Grönemeyer hätten nicht funktioniert, die sind beide stämmig. Ich wollte aber den Fokus auf die unterschiedliche Körperlichkeit legen.“ Alles in allem bereitet Hennig die Besetzung seiner Figuren aber großen Spaß. Wie er selbst sagt, hätte er noch hunderte Rollen besetzen können. Als großes Privileg empfindet der Regisseur die Möglichkeit, Rollen selbst besetzen zu können. Lars Henning vermittelt mit solchen Aussagen immer wieder, wie bescheiden, realistisch und am Boden geblieben er ist. Auch nach der knappen Stunde Q&A mit ihm, stand Henning den Besuchern vor dem Andreasstadel bei einer Zigarette weiter Rede und Antwort und hatte sichtlich Freude über seinen Film sprechen zu können.

Das Heimspiel-Programmheft – Ein treuer Begleiter

Der ständige Begleiter eines jeden Heimspiel-Besuchers: Das Programmheft. Wer wissen will, welcher Film wann und wo läuft oder sich einen Überblick über die Filmauswahl verschaffen möchte, wirft einen Blick in unser Programmheft. Jedes Jahr aufs Neue wird mit besonderer Sorgfalt der kleine Schatz an Informationen zusammengestellt.

Lange bevor wir unser Programm veröffentlichen arbeitet das Heimspiel-Team am Timetable und den Film- und Sektionstexten. Am Anfang eines jeden Heftes steht das monatelange Sichten der Filme, bevor entschieden wird, welche Highlights wir euch zeigen. Sobald die Filme stehen, beginnt unsere Textgruppe kreativ zu werden und ohne zu viel zu verraten die Filmtexte zu verfassen. Besonderes Augenmerk wird auf die Auswahl der Bilder gelegt, um euch einen ersten Eindruck gewähren zu können. Dann beginnt die eigentliche Arbeit am Programmheft, dieses Jahr unter der Feder von Konstantin, Felix und Kamilla. Konstantin ist zwar schon ein Profi beim Layouten, doch für ihn, Kamilla und Felix war das Fertigen des Programmheftes ein Debüt.

Zusammen haben unsere fleißigen Bastler zwei Wochen gebraucht, mit der einen oder anderen Nachtschicht, damit ihr beim Festival bestens ausgestattet werdet mit allen wichtigen Facts zu den Filmen. Das Layout zu gestalten lag in der Hand von Konstantin. Auch wenn sich dieses stark an den Vorjahren orientiert, ist es immer wieder eine Herausforderung: „Wir müssen natürlich eine einheitliche Gestaltung haben, trotz der vielen individuellen Einzelheiten, die zu berücksichtigen sind“ erläutert Konstantin. Nach dem Festlegen der Gestaltung werden die Seiten nach und nach gefüllt, Kamilla erzählt begeistert „umso mehr Seiten wir fertig hatten, umso mehr machte die Arbeit am Heft Spaß und am Ende sind wir richtig stolz auf das Ergebnis“. Am meisten Aufwand ist wie jedes Jahr das Erstellen und Gestalten des Timetables. Felix war mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe vertraut: „Der Übersichtsplan ist mühevolle Detailarbeit, aber dennoch lohnenswert. So können wir unseren Besuchern den besten Überblick geben und die Planung der Festivalwoche erleichtern.“ In enger Teamarbeit entsteht so nach und nach ein Herzstück des Festivals.

Ein Heimspiel Dauergast im Interview – Korbinian Altenbuchner

Auch bei Heimspiel 9 sind wieder einige bekannte Gesichter im Publikum, wie der 25-jährige Korbinian Altenbuchner. Korbinian ist zum wiederholten Male als ambitionierter Cineast beim Regensburger Filmfestival. Er studiert Medienwissenschaft an der Universität Regensburg und ist auch schon jobtechnisch in der Medienbranche unterwegs, genauer im Image-, Werbe- und Musikfilmbereich. Dort hat er sich besonders auf Licht und Kamera spezialisiert. So gehört Korbinian zum studentischen, aber doch sehr anspruchsvollem Publikum. Zwischen zwei Filmen stand er uns Rede und Antwort über das Heimspiel:

Wie viele Filme hast du dieses Jahr schon beim Heimspiel gesehen?

Also wir sind jetzt am vierten Heimspieltag noch ziemlich am Anfang und bisher habe ich sieben Filme gesehen.

Das wievielte Mal bist du als Gast beim Heimspiel?

Ich bin jetzt zum vierten Mal beim Heimspiel Filmfest. Das fällt auch mit dem Beginn meines Studiums zusammen, dass ich hier hergehe und aufmerksam geworden bin. Dieser Filmfest Vibe, der hat mich eigentlich schon beim ersten Mal gelockt. Auch die Möglichkeit zu einem studentenfreundlichen Preis viele Filme und besonders auch gut kuratierte Filme sehen zu können.

Du hast gerade vom Vibe gesprochen, was ist für dich das Herausragende am Heimspiel?

Das Besondere am Heimspiel ist im Vergleich zu anderen Filmfestivals, wie z.B. der Berlinale, auf der ich auch schon war, eher das Heimelige und, dass es auch hier in den Regensburger Programmkinos stattfindet. Die Kinoatmosphäre und das Erfahren des Films sind ein ganz anderes, als in irgendwelchen riesigen Kinosälen, in denen man selber anonymisiert ist. Hier trifft man hingegen immer auf dieselben Leute und kann so über das Thema Film Freundschaften schließen. Ich würde sogar sagen, dass der Austausch mit anderen und auch dem Heimspiel-Team für mich einer der wichtigsten Aspekte eines solchen Filmfests ist. Nach dem Sehen eines Films die Möglichkeit zu haben, sich explizit darüber austauschen zu können, andere Meinungen und Erfahrungen zu hören, die dann auch oft auseinander gehen, macht das Heimspiel besonders. Dadurch entsteht auch eine sehr offene Diskussionskultur, das lässt das eigene Verständnis von Film wachsen, man bekommt einen viel differenzierteren Blick auf das Medium.

Was sind deine Filmfavoriten der letzten Jahre?

Es fällt mir schwer mich da festzulegen, es sind vor allem Filme die im Gedächtnis bleiben, über die man sich auch jetzt wieder unterhält, obwohl die schon vor ein oder zwei Jahren gelaufen sind. Gesten habe ich mich erst wieder über den französischen Film Réalité unterhalten, der war ein Highlight für mich und hat mich erstmal total kopfschüttelnd zurückgelassen. Der Film war einfach verrückt in seiner Art und Weise. Besonders freue ich mich immer wieder auf Film meets Sound. Ich bin begeistert, Filmklassiker wie Das Cabinet des Dr. Caligari oder eben dieses Jahr Metropolis auf der großen Leinwand sehen zu können und das mit Livevertonung. Das ist eine sehr schöne Kinoerfahrung, die mich jedes Jahr aufs Neue fasziniert.

Was ist für dich das Spezielle an der Filmauswahl beim Heimspiel?

Die Filmauswahl ist für mich insofern besonders, als dass sie von Studenten gemacht wird und ich mir selber als Student des gleichen Faches denke, da sind auch immer lauter Filme für mich dabei. Das macht es für mich schwierig zu entscheiden welche Filme ich sehen will. Deshalb muss ich meine Festivalwoche sehr akkurat durchplanen, ich kann mich nicht spontan entscheiden, weil alle gut für mich sind. Ich bin auch nur sehr selten enttäuscht gewesen.

Welche Filme stehen für dich diese Woche noch an, auf welche freust du dich am meisten?

Ich bin sehr gespannt auf die Dokumentation Offene Wunde deutscher Film von Dominik Graf. Der Vorgänger war schon sehr schön inszeniert und ich bin gespannt, welcher Blick auf das deutsche Kino geworfen wird. Ansonsten ist ein Highlight The Villainess, da hat mich der Trailer zum Film bereits so gepackt, mir war klar, den muss ich sehen! Mein bisheriger Höhepunkt war Die Hölle – Inferno, weil der technisch überzeugt hat und mich über die gesamte Länge bei der Stange gehalten hat. Der hat mich positiv überrascht.

Was lässt dich immer wieder zum Heimspiel kommen?

Natürlich die einzigartige Atmosphäre! Es macht Spaß, zwischen den Kinos hin und her zu wandern, kurze Wege zu haben und mit Freunden über die Filme reden zu können. Das alles macht für mich den Reiz aus und wird mich auch die nächsten Jahre wiederkommen lassen. Vor allem mit Hinblick auf Heimspiel 10 nächstes Jahr,  wo das große  Jubiläum ansteht.

Von Krakau nach Regensburg – und das alles für Heimspiel

Michaela zählt in unserem Team schon zu den alten Hasen. Als Festivalbesucherin hat sie vor drei Jahren ihre Leidenschaft für Heimspiel entdeckt. Seit Heimspiel 8 ist sie aktiv an der Organisation beteiligt.

Was sind denn so deine Aufgaben bisher gewesen beim Festival?

Michaela: Also letztes Jahr habe ich in der Gäste-, Akquise- und Pressegruppe mitgearbeitet und mich dieses Jahr eher auf die Gästebetreuung und Presse konzentriert.

Du machst ja momentan ein Auslandssemester und bist jetzt extra für Heimspiel nach Regensburg gekommen oder?

M: Ja genau, ich bin momentan in Krakau. Es war mir aber trotzdem wichtig bei der Festivalwoche live dabei zu sein.

Heimspiel schein ja echt wichtig für dich zu sein. Was bedeutet es denn für dich?

M: Ich finde es echt cool, dass es studentisch organisiert ist und man als Team so zusammenwächst und an einem Projekt zusammenarbeitet. Man könnte auch sagen, dass ich vor drei Jahren meine Liebe zum Film entdeckt habe. Meine Filmbegeisterung kann ich im Rahmen von Heimspiel auch ausleben, da wir für die Akquise ja auch das Münchener Filmfest oder die Berlinale besuchen.

Was gefällt dir bei uns besonders gut?

M: Mir ist es besonders wichtig, den Film abseits des Mainstreams zu fördern. Und genau das versuchen wir mit Heimspiel zu erreichen.

Heimspiel ist ja auch ne gute Abwechslung im theoretischen Unialltag oder?

M: Ja voll. Aber Heimspiel ist nicht nur praktisch, sondern wir arbeiten hier ja richtig. Ich meine wir sind ständig im Kontakt mit Gästen, Kinos und Verleihern. Man lernt einfach sehr viel dazu, vor allem professionell zu sein und mit Menschen umzugehen.

Was gefällt dir bei der Arbeit mit Gästen und Presse?

M: Ich bin die einzige, die aus dem Presseteam vom letzten Jahr noch dabei ist und deshalb kann ich jetzt meine Kenntnisse weitergeben. PR ist beim Festival echt wichtig vor allem um neue Zuschauer auf uns aufmerksam zu machen.

Und bei den Gästen kann ich es eigentlich nur nochmal sagen. Menschenkenntnis!! Man lernt so viel über Menschen und spürt dann auch, was deren Bedürfnisse grad sind.

 

Aber von dem Festival soll jeder eine gute Erfahrung mitnehmen nicht nur Gäste und Filmbesucher, sondern das ganze Team!

Hinter den Kulissen

Während das Publikum in den Kinos sitzt und die Filme genießt, ist das Heimspiel Team im Hintergrund immer zu am werkeln: Anmoderationen werden vorbereitet, die richtigen Tickets ins richtige Kino gebracht, unsere zahlreichen Gäste werden betreut, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit läuft auf Hochtouren, um nur wenige Aufgaben zu nennen. Immer wieder treffen wir uns im Andreasstadl zum Austauschen, Besprechen und natürlich um euch ein besonderes Kinovergnügen bieten zu können. Die Festivalwoche bedeutet für uns eigentlich mehr Spaß als Arbeit und die Festivaltage lassen wir gemeinsam aus klingen.

Kommt gerne bei uns vorbei und holt euch den ein oder anderen persönlichen Filmgeheimtipp oder lasst uns wissen, wie wir eure Festivalwoche positiv bereichern können